ASA oder „La Ferrarina“


Die Geschichte über ein leider gescheitertes Ferrari - Vierzylinder-Projekt


Noch bevor in Maranello überhaupt von einem (Fiat oder Ferrari-) Dino-Straßenfahrzeug gesprochen wurde, reiften im Kopf von Enzo Ferrari Pläne für einen sportlichen Kleinwagen. Bereits Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre nahmen diese Pläne auch Formen an und so entwickelte man einen kleinen Reihen-Vierzylinder-Motor mit lediglich 850 ccm Hubraum.

Um das ganze in eine entsprechende Form zu bringen wurde eine einfache, aber formschöne Karosserie hier herum gebaut, die aber ohne offiziellen Namen blieb. Als das Auto in und um Maranello dann des öfteren gesichtet wurde, hatte es aber schnell seinen Spitznamen erhalten: „La Ferrarina".

Die Karosserie, so ist der Literatur zu entnehmen, soll angeblich bei Pininfarina entstanden sein und alle Teile, die bis dahin noch zu einem fertigen Auto fehlten, wurden einem einfachen Fiat 1100 entnommen. Diese Version blieb ein Einzelstück, doch nach und nach gab es in diesem Bereich noch weitere Versuche aus dem Hause Ferrari, wobei ein Motor mit 1000 ccm Hubraum schließlich die Endlösung sein sollte. Als all diese Pläne zur Seriennähe reiften, wurde hierfür eine separate Firma mit der Bezeichnung ASA (Autoconstruzioni Società per Azioni) gegründet, denn Enzo Ferrari hätte zu dieser Zeit niemals zugelassen, dass diese Autos tatsächlich als offizielle Ferrari-Typen das Werk verlassen hätten.

Niccola de Nora, Sohn des Besitzers der De Nora Elektrochemie-Werke und seines Zeichens Rennwagen-Liebhaber mit Leib und Seele, sollte die Geschicke der Firma leiten. Damit auch andere automobile Grössen ihn dabei fachmännisch unterstützen konnten, wurden ihm die Herren Gerino Gerini (Maserati-Rennfahrer), Lorenzo Bandini und Giancarlo Baghetti (F1-Piloten) sowie Giotto Bizzarini (Konstrukteur) zur Seite gestellt.

Der 1000 GT sollte der endgültige Repräsentant der ASA-Familie werden, doch viele andere Varianten mit Ferrari-typischen Zahlenkürzeln wurden parallel entworfen. Dies waren z.B. die Rennversionen 1000 GTC (Competitione mit 1.000 ccm) sowie 411 (4 Zylinder 1,1-Liter), der ASA Spider, eine Version mit Targa-Dach namens Roll-Bar und der Innocenti 186 GT (1,8 Liter, 6 Zylinder).

Die automobile Presse war neugierig auf diesen Volkssportwagen und so musste Enzo Ferrari zahlreiche Stellungnahmen abgeben, wie es um das Projekt des „Baby-Ferrari" bestellt war. Letztendlich widersprachen sich aber all diese Meldungen. Einerseits gab er bei der Vorstellung des Innocenti 186 GT (dem letzten Versuch des Projektes) an, dass an der Serienfertigung eines Autos namens Dino Coupé gearbeitet wird, das 1,8 Liter Hubraum und sechs Zylinder hat und andererseits stritt er in Presseerklärungen alle ASA-Pläne wieder ab.

Getreu dem Motto „Schuster bleib` bei deinen Leisten" wollte Ferrari dann doch nur mit 12-Zylinder-Sportwagen in Verbindung gebracht werden und so wurde die ganze Geschichte immer undurchsichtiger. Die ganzen Entwicklungen der ASA-Typen aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, doch lässt sich abschließend feststellen, dass die Firma ASA 1967 nach nicht einmal 200 Fahrzeugen Konkurs anmelden musste und das alles, obwohl eine jährliche Produktion von anfangs bis zu 2.000 Stück angedacht war.

Somit war Nicola de Nora scheinbar nicht der richtige Partner für dieses Projekt. Zu viele verschiedene Baureihen, verzweifelte Versuche im Rennsport, eine unbefriedigende Ersatzteilversorgung, lange Lieferzeiten und ein viel zu hoher Preis waren genug Gründe, ein Auto zum scheitern zu bringen. Man stelle sich in der heutigen Zeit vor, man müsse auf eine Barchetta von Fiat bis zu drei Jahre warten und dann mehr bezahlen als für einen Porsche 911. Das kann nicht gut gehen!

Enzo Ferrari interessierte das alles nicht mehr. Er schickte bereits 1965 mit seinem extravaganten Prototypen Dino 206 Speziale das erste Exemplar seiner neuen sportlichen Kleinwagengeneration ins Rennen und was daraus wurde, ist heute allen belesenen Ferraristi bekannt und so schließt sich der Kreis der Dino-Vorserienmodelle.

Wer dagegen auf einem Treffen oder einer Messe einmal einen ASA entdeckt, kann sich glücklich schätzen. Es haben nur vereinzelte Exemplare überlebt und wenn einmal einer angeboten wird, wird mit Preisen von über 50.000 € gehandelt.

Einen schönen Rückblick über alle ASA-Typen mit vielen zeitgenössischen Farbfotos gibt es in dem 2004 erschienenen Buch „ASA - L'epopea della Ferrarina" von Franco Varisco. Leider ist es ausschließlich in italienischer Sprache erhältlich, die viele schönen Bilder, Skizzen und technischen Infos machen dieses Manko aber wieder wett! Die hier gezeigten Fotos sind auf der niederländischen Oldtimermesse in Maastricht im Januar 2008 entstanden.

Auch im Internet gibt es nur sehr rare Informationen zum Thema ASA.

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Marcus Meyer