Mit Autodelta zum Erfolg (1965 - 1972)


Carlo Chiti, von 1957 bis 1961 Motorenentwickler bei Ferrari, dem Formel-1-Weltmeister von 1961, hatte im März 1963 zusammen mit Lodovico Chizzola in Udine seine Firma AutoDelta gegründet. Alfa Romeo kaufte diese Gesellschaft einschließlich Chiti, um sie vor allem zur Entwicklung von Wettbewerbsfahrzeugen einzusetzen. Die Zusammenarbeit mit Alfa Romeo wurde bald so eng, dass beide Partner auch geographisch nach größerer Nähe strebten. 1964 zog AutoDelta deshalb vom fernen Udine nach Settimo Milanese vor den Toren Mailands, von wo auch das kürzlich eröffnete Testzentrum bei Balocco nahe der Autostrada und auf halbem Wege nach Turin schnell erreichbar war.

Nebenbei diente die hübsche Tochter der schönen Mutter aber auch zur Tarnung. Zahlungen an korrupte Politiker oder Gewerkschaftler durch Alfa Romeo sollen unauffällig über AutoDelta geflossen sein, sagen alte Eingeweihte. Eine der ersten Aufgaben für AutoDelta bestand in der Entwicklung einer Sonderausführung der Giulia Sprint GT für Tourenwagen-Rennen. Daraus ging die berühmte GTA hervor, die in ihren verschiedenen Versionen die Tourenwagen-Szene weltweit beherrschte. Von AutoDelta gebaute und eingesetzte Fahrzeuge errangen zahlreiche internationale und nationale Meisterschaften auf der Rennstrecke, am Berg und sogar auf der Rallyepiste.

Fahrer wie neben vielen anderen zum Beispiel Andrea de Adamich oder Toine Hezemans gewannen von 1965 bis 1972 nicht nur sieben Europameisterschaften und von 1966 bis 1968 den Europapokal der Marken, sondern auch 50 nationale Championate, nicht zuletzt in Deutschland. Seit 1966 traten die Werks-Tourenwagen nur noch mit dem AutoDelta-Logo an. Die GTam ist das einzige Auto der Welt, das sieben Mal in Folge, von 1970 bis 1976, die 24 Stunden von Francorchamps gewinnt. (1750 GTam und 2000 GTam sind von der 1750 GTV abgeleitete Rennversionen. Das »a« in der Typenbezeichnung deutet hin auf die doppia accensione, also die Doppelzündung, das »m« auf die cilindrata maggiorata also schlicht auf vergrößerten Hubraum.)

Äußerlich schien die GTA fast identisch zu sein mit der zivilen Giulia Sprint GT. Tatsächlich aber bestand ihre Karosserie aus Aluminium, und dank weiterer Abspeckmaßnahmen wog sie statt 950 nur noch 745 Kilogramm, die schärfste Ausführung, die GTA corsa, sogar nur noch 700 Kilogramm (das A ihrer Typenbezeichnung steht für alleggerita, erleichtert). 1967 und 1968 sprengte zudem die GTA-SA (=sovralimentato, aufgeladen) alle damaligen Maßstäbe. Ihr Zentrifugalkompressor, von einer Hydraulikturbine angetrieben, blies dem 1,6-Liter-Doppelzündungsmotor eine Maximalleistung von 220 PS bei 7500 Umdrehungen pro Minute ein, wobei das Verdichtungsverhältnis trotz der Aufladung mit 10,5 :1 ungewöhnlich hoch war. Damit erreichte die GTA-SA Spitzengeschwindigkeiten von über 240 km/h.