AlfaVisione-Testdrive - Alfa 8C Competizione
(31/05/2009)
Den Alfa Romeo 8C Competizione für mich ganz allein? Diesen Traum träumte ich schon lange, machte mir aber kaum Hoffnungen. Trotzdem wurde der Traum erfüllt und zwar nicht gegen grosse Mietsummen sondern einfach so, zum Spass und weil es den Besitzer ebenso freute wie mich. Der Besitzer des Autos stellte mir den teuren Sportwagen für ein ganzes Wochenende zur Verfügung und lud mich gleichzeitig dazu ein, den Wagen am Raduno Classico in Andelfingen zu präsentieren. Besser kann es einem gar nicht gehen, dachte ich mir. Stehe damit aber vor der Entscheidung, einen herkömmlichen Testbericht oder einen Erlebnisbericht zu veröffentlichen und ich habe mich für letzteres entschieden.
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Ich durfte also letzte Woche am Samstag Nachmittag den 8 C Competizione um 16’00 Uhr abholen und der Besitzer zirkelte den Traumwagen selbst aus der Garage hinaus, womit ich mich in diesem Punkt nicht blamierte. In der ersten Fahrt rückwärts eine Rampe hoch wäre mir nicht ganz wohl gewesen, da war ich ganz froh, wurde der Wagen hinaus gefahren. Danach war kurze Übergabe und als 8C Insider darf ich wohl gelten, denn ich habe dieses Auto von der ersten Erscheinung bis zur Auslieferung schon oft intensiv begutachtet und schon etliche Male Detail um Detail studiert. Nur fahren durfte ich bislang nie, deshalb war ich mehr als gespannt auf das Erlebnis.
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Die Abfahrt gestaltete sich einfach, der erste Gang ist schnell eingelegt und die Handbremse ist keine Hand- sondern eine Feststellbremse, die sich von selber löst wenn man abfahren will. Das nennt sich Komfort pur, denn gerade die ersten Meter ist man versucht Fehler zu machen und wenn einem die Feststellbremse abgenommen wird, macht das einiges einfacher. Beim Umladen meiner persönlichen Gegenstände vom Lancia Delta 1.9 Twinturbo in den 8C lief der Motor im Standgas langsam warm und obwohl das eigentlich verboten ist, war ich froh einen warmen Motor zu haben.
Die Sitzposition im Otto Tschi ist recht einfach gefunden und trotzdem testete ich etliche Haltungen durch, um ganz sicher zu gehen, dass der Renner wie angegossen sitzt. Das tut er, denn die Sitze bieten einen fantastischen Halt. Und wer schon drinnen gesessen ist, weiss wie gut sich das anfühlt. Man fühlt sich geborgen und gut aufgehoben im roten Renner aus dem Maserati-Werk, wo Alfa Romeo die Form und einiges an Ideen lieferte, aber mit Service zum Beispiel nichts am Hut hat. Der Service ist ein Maserati-Thema, denn wo Maserati drin ist, kann man nur als zertifizierter Maserati-Mechaniker wirklich am Motor werkeln. Gut, der Motor als solches und etliche Bauteile sind auch in einem Ferrari zu finden, deshalb kann auch ein Ferrari Mechaniker an das Auto heran. Den Schrauber aus dem Hinterhof sollte man besser nicht an den 8C heran lassen, denn dazu ist der Wagen einfach zuviel wert.
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Noch einmal ein Blick in alle Spiegel, schon fuhr ich einmal um den Block, um die Waschstrasse und danach schnurstracks ins Dorf Andelfingen, wo ich zum Raduno Classico eingeladen war. Die Fahrt war ein veritables Erlebnis mit Höhen und Tiefen, denn ich fand die unterstützende Automatik nicht. Deshalb war Handschaltung mit den Lenkradpaddeln angesagt und das war spannender als spannend. Gerade auf den ersten Metern weg vom Parkplatz und in Richtung Dorfmitte war ich gespannt, wie sich der Wagen anfühlt und es waren viele Glücksgefühle, die mich da durchströmten. Der Adrenalinstoss an Bord eines solchen Renners ist um einiges höher als in einem Serien-Alfa.
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Das Vertrauen in mich ehrte mich sehr. Einfach so erhielt ich einen der 500 seltenen Otto Tschi für ein ganzes Wochenende zur Verfügung gestellt und hätte damit auch grosse Strecken zurücklegen können, denn ein Limit war nicht abgemacht. Ich hätte das Vertrauen auch missbrauchen können und schriftlich war auch nichts fixiert. Aber eben, ich bin und bleibe eine ehrliche Haut all jenen gegenüber, die mich auch so behandeln.
Die ersten Kurven mit dem 8C Competizione zeigten, dass das Vertrauen in den italienischen Automobilbau verdient ist, die Strassenlage, das Feeling und das Erlebnis zeigten, wie schöne, wie sportliche und sichere Autos in Italien gebaut werden. Die Soundkulisse des 8C ist beindruckend, die Leistungswerte bei einer normalen Beschleunigung im ersten und zweiten Gang lassen alles andere verblassen. Und wer eine Kurve mit einem Brera mit maximal 60 nimmt kann mit dem 8C locker mit 80 fahren ohne gross in Unsicherheiten zu kommen. Das Gesamtkonzept stimmt, der Wagen liegt enorm locker in der Hand und die Querbeschleunigung wird vom Motormanagement ganz gut dosiert. So kommt ein Erlebnis zustande, das ich vorher noch nicht erlebte. Kurz vor dem Raduno war dann eine Bahnschranke geschlossen. Vor mir fuhr dann ein Ferrari 328 GTS auf die Schranke zu und stellte den Motor ab. Dem Gebot fügte ich mich auch und durfte dann sehen, wie die Fussgänger die beiden Autos bestaunten und verglichen. Der Ferrari ist zwar auch ein schönes Auto, an den Otto Tschi reicht er nicht heran. Auch beim Starten der Motoren nach dem die S-Bahn durchgefahren ist, reichte es dem Ferrari nicht, den 8C zu übertrumpfen - der Sound vom Alfa-Achtzylinder ist gigantischer!
Dann fuhr ich auf das Raduno-Gelände und fand glücklicherweise auf dem Marktplatz einen freien Parkplatz im Schatten. Ich legte dann auf dem vorderen und hinteren Nummernschild die AlfaVisione.net-Logos auf, denn vereinbart war auch, dass ich mit dem Alfa 8C für unser Portal Werbung machen darf.
Was soll ich sagen, die Leihgabe passte ganz gut auf den Marktplatz in Andelfingen, auch wenn noch nicht Raduno sondern nur Vorabend-Veranstaltung war. Etliche der geladenen Abendgäste hatten auch Lust, den 8C genauer anzusehen und als einige merkten das ich den Schlüssel halte und eventuell gar Platz genommen werden kann, gab es kein Halten mehr. Dann war auch die eine oder andere Soundprobe fällig und dabei ging es den Zuhörern wie mir selbst, man geht einfach in die Knie, wenn man einen 8C röhren hört.
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Nach dem ersten Abend am Raduno brach ich recht früh auf, um die geschossenen Bilder zuhause Online zu bringen. Die Heimfahrt im 8C war ganz einfach gesagt unvergleichlich, denn noch nie durfte ich einen so teuren Wagen derart lange und intensiv frei bewegen. Natürlich testete ich beim Auffahren auf die Autobahn auch die Beschleunigung und versuchte, die Sekunden zu zählen bis 120 und ein wenig mehr erreicht waren aber ich zählte wohl in der Aufregung falsch denn es waren nur 4 Sekunden auf 120 und das ist auch mehr so ein Bauchgefühl als gemessene Wirklichkeit. An Bord eines 8c spielt Zeit aber nicht wirklich eine Rolle, mir doch egal wenn die Jungen mit ihren Tuning-Cars aus Japan meinen, sie müssen überholen und wieder langsamer werden. Zuhause fuhr ich langsam ins Zentrum von Flawil und dort an den Bankomat um noch Geld abzuheben. Dann eine kurze Runde ums Dorf und heim in die Garage. Dort folgte dann ein Hilfeschrei, denn ich traute mich nicht, den Wagen mit eingeklappten Seitenspiegeln ohne Hilfe in die Garage zu fahren. Deshalb musste meine Frau mich lotsen und das hat die gar nicht gerne gemacht.
Am Sonntag morgen dann das umgekehrte Spiel, ich musste den Otto Tschi mit eingeklappten Seitenspiegeln aus der Garage bugsieren und dabei lotste wieder meine Frau mich hinaus. Unterschätzt habe ich den Lärmeinfluss auf die Nachbarn rund um unser Haus in Flawil. Diese Nachbarn sind es zwar gewohnt das ich immer wieder andere Autos zu Hause habe aber einen Otto Tschi in unserer Garage haben Sie noch nie erlebt und werden den wohl auch nie wieder erleben. Rundum gingen die Fenster auf und die Nachbarn betrachteten, was denn da solch einen „Lärm“ veranstaltet. Das führte dann bei meiner Frau auch zur Aussage, dass ich nie mehr solch eine Maschine nach Hause bringen solle. Ich denke heute aber, dass der 8C mit kaltem Motor wohl noch etwas lauter ist als wenn er warm ist.
Ich fuhr dann auf meinen Hausstrecken rund um Flawil ins Nachbardorf, weil ich dort an einigen Stellen nicht nur schöne Fotos sondern auch den einen oder anderen Beschleunigungstest mit ausreichend Raum und Sicherheit machen kann. Dabei flog der 8C nur so dahin und die Leistungswerte beeindruckten mich sehr. Das Feeling, wenn der Achtzylinder wirklich arbeitet und seine immense Kraft auf die hinteren Räder überträgt und den Wagen nur so durch die Kurven fliegen lässt, ist ganz stark. Natürlich ging ich nicht an die Grenzen des Autos, weder beim Beschleunigen noch beim Kurvenfahren kam ich wirklich an den Grenzbereich. Das ist auch gar nicht nötig, denn der Grenzbereich bei einem Auto mit einem Wert von 250'tausend Franken sollte immer weit genug entfernt sein. Es wäre ein grosses Unglück gewesen, wenn der 8C einen Kratzer oder einen Schaden davon getragen hätte aber ich habe gut aufgepasst, damit das nicht passiert. Ein Totalschaden hätte aber bewirkt, dass einer der 34 Otto Tschi in der Schweiz eliminiert ist und das wäre mir nirgends recht gewesen.
Die Fahrt zum Raduno und auch dort den ganzenTag vor Ort bewies erneut die Seltenheit des Fahrzeuges, viele Besucher am Raduno hatten noch keinen Otto Tschi von nahem gesehen. Etliche Male musste oder durfte der 8C zum Soundcheck antreten, damit die Besucherinnen und Besucher am Raduno auch den Klang erfahren konnten. Es gab viele Fragen und da ich als Insider die meisten beantworten konnte gab es viele zufriedene Gesichter. Das erste Mal in meinem Leben erlebte ich auch, dass ich von Frauen gebeten wurde, mit ihnen eine Runde fahren zu gehen. Wörtlich hiess es da: „Was muss ich tun, damit ich hier bei Ihnen eine Runde mitfahren darf?“ aber ich liess die Frage jeweils unbeantwortet und blieb dabei, dass ich nicht der Besitzer sondern nur der Ausleiher bin, der keine Damen kutschieren darf.
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Am Abend musste ich den 8C abgeben und wie ich schon in der Story vom 8C geschrieben habe, ist es schwer, sehr schwer, sich von solch einem Auto zu trennen. Ich fuhr auf den Parkplatz, packte meine Sachen in den Lancia Delta ein und fuhr mit dem 8 C die letzte Runde in die Tiefgarage. Dort musste ich den Traumwagen dann endgültig stehen lassen und sorgte dafür, dass die Türen dicht sind und alle Effekten von mir draussen sind.
Danach fühlte ich mich im Lancia Delta nicht recht wohl, die Fahrt nach Hause mit dem Delta war ein grosser Abstieg und anders als jene am Vorabend mit dem Otto Tschi. Ich bin deshalb auch froh, besitze ich keinen 8C denn ich würde diesen wohl zu oft nutzen und vielleicht zu intensiv fahren.
Mein persönliches Fazit:
Ich habe Wolfgang Egger, der heute bei Audi als Chefdesigner amtiert und der den Otto Tschi gezeichnet hat, bereits früher zur Formgebung und den sehr harmonischen Formen gratuliert. Mit dem Otto Tschi haben Designer und auch Alfa Romeo viele Auszeichnungen erhalten und Wolfgang Egger hatte darauf auch eine ganze Fahrzeuggeneration geplant. Den Mito hat er noch fertig gezeichnet, den Alfa Milano oder Alfa 149 konnte er zwar noch zeichnen, der wurde aber dann von seinen Nachfolgern fertig gestaltet. Hätte ich Geld, ich würde mir einen 8C in die Garage stellen, denn für mich ist das einer der schönsten Supersportwagen der Welt. Natürlich gibt es schnellere Autos und Autos die noch viel mehr Geld kosten und sogar 1001 PS haben, aber das sind alles keine Alfas. Der 8C Competizione ist ein Alfa und zwar einer der Superlative.
Als Antrieb des Supersportlers dient ein Achtzylinder-Aggregat mit 4,7 Litern Hubraum und 332 kW/450 PS, das ein maximales Drehmoment von 470 Newtonmetern auf die Kurbelwelle stemmt. Moderne Technologie wird mit Retro-Elementen kombiniert. So verfügt der 8C beispielsweise über LED-Heckleuchten.
In den 30er und 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde die Bezeichnung "8C" all jenen Sportwagen gegeben, die über einen Achtzylindermotor in Linie verfügten und darüber hinaus noch schneller als die Konkurrenten waren. Der Ausdruck "Competizione" (deutsch: Wettbewerb) verweist auf die hohe Kompetenz und Wettbewerbsfähigkeit, der 8C Competizione ist ein Sieger, nichts anderes.
Der Motor klingt giftig, böse, er ist laut – wie man in Italien schon immer Sportwagen baute. Seltener ist, dass man im Otto Tschi nun gut Platz findet, selbst grossgewachsene Nordeuropäer finden eine ideale Sitzposition. Lenkrad, Pedale, Schaltpaddel und andere Hebel sitzen alle am richtigen Ort und die Automatik nimmt einem viel ab, wenn man sie findet. Der 450 PS starke Achtzylinder hat mit dem nur 1400 Kilo leichten Coupé keine Last – ein Leistungsgewicht von etwas mehr als drei Kilo pro PS verspricht enorme Leistungen. Dank Transaxle-Bauweise ist das Auto ideal ausbalanciert, die Gewichtsverteilung liegt bei exakt 50 Prozent vorn und hinten.
'Rosso Otto Tschi’, das Herzblut von Alfa
Ein unglaubliches Rot zierte den Otto Tschi, mit dem ich das letzte Wochenende verbrachte. Rosso Otto Tschi nennt Alfa diese Farbe und die gibt es nur auf Präsentationsfahrzeugen an Messen und auf dem Otto Tschi. Es ist ein tiefes, schimmerndes Rot, das die Rundungen und Konturen hervorhebt und je nach Lichteinfall von Silber bis Tiefrot wechselt. Es ist natürlich kein normales Rot aus dem Alfa-Programm. Es besteht aus sieben Schichten Klarlack mit beigemengten Pigmenten von Rot und Silber, nur so konnten die Tiefe und der Glanz erzeugt werden.
Technische Daten Alfa 8C Competizione
V8-Front-Mittelmotor, längs eingebaut • vier obenliegende Nockenwellen • vier Ventile je Zylinder • Bohrung x Hub 92,0 x 79,8 mm • Hubraum 4244 cm³ • Leistung 331 kW (450 PS) bei 7000/min • max. Drehmoment 450 Nm bei 4500/min • Hinterradantrieb • Halbautomatik mit Lenkradpadeln, Sechsganggetriebe • Differentialsperre 25 Prozent • Traktionskontrolle, ESP • rundum doppelte Dreieckquerlenker • Gitterrohrrahmen • Kohlefaser-Karosserie • rundum belüftete und gelochte Scheibenbremsen • Reifen 245/ ZR 20 vorn, 275/35 ZR 20 hinten Räder 8,5 J x 20 vorn, 10J x 20 hinten • Länge/Breite/Höhe 4280/1900/1250 mm • Radstand 2595 mm Leergewicht 1400 kg • Tankinhalt 90 l • Beschleunigung 0–100 km/h 4,5 s • Höchstgeschwindigkeit mehr als 300 km/h
Alle Fotos von meinem Testwochenende:
http://www.alfavisione.net/news/galerie/80
Und ja, natürlich würde ich jeden angebotenen Alfa Romeo 8C Competizione annehmen, wenn jemand mir ein Geschenk für ein paar Tage machen würde ;-).
Autor: didiklement


Träume werden wahr...
(02/08/2009) Jürgen
Toller Erlebnisbericht! Ich durfte mal im 8C Platz nehmen, ich durfte seinen unvergleichlichen Sound erleben, aber leider nicht fahren, so wie Du. Dieses Erlebnis nimmt Dir keiner mehr, genieß es, ich träume dann mal weiter.. Ciao
wunderbare Story!
(03/06/2009) gustavo
ein gelungener Text und auch ich bin neidisch auf den Testdrive, den du da realisieren konntest. Kompliment auch zu AlfaVisione. Wirkt sehr gut das ganze Konzept.
Liebeserklärung
(01/06/2009) Michi
Ein sehr gelungener und lesenswerter Bericht! Kurz gesagt: \"Eine einzigartige Liebeserklärung\" ;-)
Glückwunsch
(01/06/2009) Andre
, dass du das Glück hattest und einen 8C für ein Wochenende fahren durftest. Bin neidisch. :-)
Neidisch
(01/06/2009) Francesco
Hallo, du Glückspilz! Man muss wohl die richtigen Kontakte haben, dass man so einen seltenen,teuren und wahrscheinlich schönsten Sportwagen fahren darf. Aber ich mags dir gönnen als ehrlicher und leidenschaftlicher Alfa-Fan. Schöne Story und gut geschrieben. ciao