Sonntagszeitung: Jubiläum ohne Jubelschrei
(20/06/2010)
Ulrich Safferling hat für die Sonntagszeitung einen Artikel zum "Jubiläum ohne Jubelschrei" geschrieben und darin auch unsere Plattform erwähnt. Ein wunderbares Bild der Giulietta mit vielen, vielen Vorgängern der Sonderklasse bringt es auf den Punkt: "Alfa Romeo ist heute anders als man erwarten würde"..
Einige Zitate:
"Alfa Romeo wird 100 Jahre alt, doch Fiat diktiert zunehmend Design und Technik. Die Alfisti sind beunruhigt"
"Ein Jahrhundert Alfa Romeo, was für ein Jubiläum: 100 Jahre Rennsport, 100 Jahre Autodesign, 100 Jahre Emotionen. Da gibt es viel zu erzählen, und während in immer wieder neuen Berichten die alten Modelle bejubelt werden, sehen die wahren Alfisti schwarz für die Zukunft ihrer Marke."
"Vor allem im Internet bei Alfavisione, Alfisti.net, Gruppo-radicale und Italiaspeed blutet den Fans das Herz, wenn Stück um Stück Alfa-Identität beerdigt wird wie zuletzt das Centro Stile in Arese. "
"«Die Stimmung bröckelt», bestätigt auch Thomas Suter vom Alfa-Romeo-Club in Küssnacht am Rigi. «Alfa hat weltweit die meisten Fans, aber wer von uns fährt neben seinem alten denn noch einen neuen Alfa?»"
"Als Schuldigen hat der Alfista den Fiat-Chef Sergio Marchionne ausgemacht, der eine bunte Palette von Alfa-Dodge-Fiat-Chrysler-Lancia-Modellen auflegen möchte. «Wo bleibt da die Identität?»"
"Design, Motoren und Technik gelten als Kernkompetenz der Mailänder Marke. Ursprünglich gehörte noch der Hinterradantrieb dazu, doch davon hat sich die Marke seit 1972 selbst entfernt. Technisch hat Fiat heute das Sagen, obwohl die Alfa-Ingenieure oft innovativ waren und mit der variablen Ventilsteuerung oder dem Common-Rail-System für Diesel bereits vor 20 Jahren die Technik für heute kannten."
"Das gilt ebenfalls für den schon schön anzusehenden, kraftvollen Sechszylinder, der 1979 im Alfa 6 Premiere feierte und bis in Marchionnes Zeiten weiterentwickelt wurde. An seine Stelle trat ein GM-Triebwerk von Holden, das war es mit der «bella macchina». "
"Und das absolute Nonplusultra, das Design? «De Silva und Egger haben beide einen Car of the Year gezeichnet», sagt Suter. Beide gingen zu Audi, zuletzt Egger, dessen Supersportwagen 8C so etwas wie den krönenden Abschluss im Centro Stile darstellt."
"Es sollen zwar noch schöne Entwürfe von Egger in der Schublade gelegen haben, doch Marchionne liess nichts davon bauen und verschliss in zwei Jahren zwei weitere Designchefs, bevor er das Studio wegrationalisierte. «Das Centro war der letzte Faden, der Alfa mit seinen Wurzeln verband», sagt Thomas Suter seufzend. «Jetzt werden Design, Motoren und Technik total von Fiat bestimmt. Blanker Sparkurs.»"
"Vor allem mit dem Design der beiden neusten Alfa-Modelle Mito und Giulietta haben die Fans Mühe. «Die erste Begeisterung ist bei mir ausgeblieben», sagt Daniel Steiner beim Anblick der Giulietta. «Da fehlt die Alfa-Handschrift von de Silva, die lässt sich nicht mit Elementen kopieren.»"
"«Aber die Silhouette ist okay», meint Thomas Baggenstos, der wie Steiner einen klassischen Alfa in der Garage stehen hat. «Gut finde ich die Türgriffe im Rahmen wie beim 156, das Chrom um die Scheiben und die drei Regler in der Mittelkonsole. Da wurde bewusst Tradition zitiert. Auch die Farbe Rosso Nuvolari ist schön.» "
"«Schau dir doch mal das Heck an», kritisiert Suter. «Das sieht doch aus wie ein Opel Astra. Und diese Leuchten. Egger hatte einen tollen Entwurf, den haben seine Nachfolger verschlimmbessert.»"
"Einen gewissen Erfolg mag er dem Modell aber nicht absprechen. «Sie werden in der Schweiz immer 3000 Alfa verkaufen. Das sind Kunden aus Prinzip.» Trotzdem fürchtet Suter, das letzte Alfa-Kapitel könne bald geschrieben sein. Gerüchten zufolge sollen nach dem Jubiläum die wertvollen Museumsautos verkauft werden, was Alfa dementiert. Noch."
"Vielleicht stimmt aber das Gerücht, dass VW Alfa kaufen wird, so wie das Designstudio von Giugiaro. «Das wäre am Ende vielleicht gar nicht schlecht», sagt der Club-Präsident. «Die schönsten Alfa baut heute Audi.»"
Der ganze Artikel aus der Sonntagszeitung hier als PDF hinterlegt:
http://www.alfavisione.net/hp/files/bilder/2010news/alfajubilum.pdf
Der Zeitraffer in der Sonntagszeitung:
1910 bis 2010 - die Geschichte von Alfa Romeo
1910 Gründung der Anonima Lombarda Fabbrica Automobili, kurz A.L.F.A
1911 Erster Alfa 24 HP startet bei dem Rennen Targa Florio
1915 Konkurs und Übernahme durch Nicola Romeo
1920 Umbenennung in Alfa Romeo, Wappen mit Zusatz Milano
1923 Erster Sieg bei der Targa Florio
1924 Erstmals taucht das Quadrifoglio Verde am Rennwagen auf
1925 Gewinn der ersten Weltmeisterschaft
1926 Alfa wird zahlungsunfähig und erhält über Mussolini Bankbürgschaften
1928 Nicola Romeo scheidet aus; erster Sieg bei Mille Miglia
1931 Erster Sieg bei 24 Stunden Le Mans
1935 In den 30er-Jahren entsteht das Scudetto (Schildchen) als typischer Kühlergrill
1937 Alfa 8C2900B ist das schnellste Serienauto (225 km/h)
1950 Alfa wird erster offizieller Formel-1-Weltmeister
1951 Alfa 1900er erstes Grossserienmodell, zweiter F-1-Titel
1954 Alfa Giulietta - vom Julchen werden 200 000 Stück gebaut
1962 Alfa Giulia wird Julchen-Nachfolgerin
1966 Alfa Spider von Pininfarina - berühmt durch Dustin Hoffman in «Die Reifeprüfung»
1970 Alfa Montreal als Supersportler mit V8-Rennmotor (200 PS)
1972 Alfasud mit Frontantrieb - Produktion bei Neapel, Zusatz Milano im Wappen entfällt
1972 Alfetta mit Transaxle-Bauweise - Motor vorn, Getriebe und Antrieb hinten
1975 Alfa 75 zum Firmenjubiläum, letzter Alfa mit Heckantrieb
1983 Alfa entwickelt variable Ventilsteuerung (heute Multiair)
1986 Wirtschaftliche Probleme führen zur Fiat-Übernahme
1997 Alfa entwickelt als erster Hersteller die Common-Rail-Technik für Diesel
1998 Alfa 156 von Walter de Silva wird Car of the Year
2001 Alfa 147 von Wolfgang Egger wird Car of the Year
2002 Verwaltung wird von Mailand nach Turin zu Fiat verlegt
2007 Alfa wird Aktiengesellschaft, bleibt aber in Fiat-Besitz
2009 Centro Stile in Arese wird geschlossen und bei Fiat in Turin integriert
Kommentar Didi Klement:
Natürlich sind viele Alfisti den alten Modellen verbunden. Alfa Romeo ist eine kleine Marke und hier kann man nicht alle Wünsche abdecken. Man kann nicht einfach drauflos entwickeln und Prototyp um Prototyp entwickeln und jährlich neues Design vorstellen. Auch die Technik ist enorm wichtig. Die im Artikel erwähnten V6- Motoren waren am Ende des Entwicklungsprozesses angekommen. Die heute verlangten Euro-Normen nicht mehr umzusetzen. Das Geld für neue Motoren fehlte, deshalb musste man die Holden-Motoren einsetzen die in der Reihe 159, Spider und Brera aber die Massen nicht begeisterten. Hoher Verbrauch, geringe Powerausbeute und hohes Gewicht der Baureihe sorgten für geringere Nachfrage als beim Vorgänger 156. Weil Alfa als kleine Marke zu langsam reagierte wurden neue Motoren von FTP erst 2009 präsentiert. Im Artikel nicht erwähnt wurde die Tatsache, dass Alfa Romeo seit vielen Jahren Verlust macht. Deshalb auch der strikte Sparkurs, der durchaus verständlich ist, wenn man berücksichtigt, dass Fiat selbst auch ein auf und ab erlebt. Hier ist unbedingt zu berücksichtigen, das Fiat als Kleinwagenbauer sehr erfolgreich ist, mit Limousinen im Mittelklasse-Bereich aber nie grosse Stückzahlen schafft. Deshalb fehlt auch das Verständnis für die Nachfrage der einzelnen Länder. Alleine die fehlende Automatik in der Reihe 159 verhindert tausende von Käufen in der Schweiz und in Deutschland.
Die Geschichte wird es zeigen, wie die Zukunft von Alfa Romeo in hundert Jahren aussieht. Wäre die Company nie von Fiat gekauft worden, hätte man nicht überlebt. Falls doch, hätte man aber andere Autos gebaut als mit Fiat zusammen. Sicher ist, die Autos von Alfa Romeo waren früher nicht so ausgereift wie heute, da wurde lanciert lange bevor die Autos fertig sind. Der Alfa 159, der Brera und der Spider sowie die Mito-Reihe und die nun folgende Giulietta-Reihe sind Alfas, die bis auf Kleinigkeiten extrem gut konstruiert sind und die Zukunft der Marke bedeuten.
Nicht ganz im Stil der alten Alfa-Kunden, nicht ganz den Wünschen der Alfisti entsprechend - aber die Giulietta Quadrifoglio Verde wird noch zeigen, dass Sportlichkeit und Alfa Romeo in der Serie zusammen gehören.
Autor: didiklement


Sonntagszeitung
(20/06/2010) Thomas
Hallo Herr Klement, ja da haben sie Recht, ich hoffe das es für Alfa weiter geht! Es ist sehr schade für sie besondere Marke genauso für Opel die ja noch älter ist wie Alfa! Aber ich denke es ist der lauf der Zeit und es wird sich noch viel tun in den nächsten Jahren, Ferrari denkt ja auch schon nach Hubraumverkleinerung nach und auch sie müssen umdenken! Es ist die Firmenpolitik, wo vieles kaputt macht und vieles auf der Strecke bleibt, und das liebe Geld. Naja der 159 finde ich trotzdem eines sehr schönsten Neufahrzeuge wo es in diesem Sigment gibt, ich fahre viel Autobahn mit ihr und da fühlt sie sich auch wohl, nicht in der City da ist der MiTo dafür da und auch Sportlich, aber kann heute noch jemand sportlich fahren, die Bremsen in der kleinsten Kurve obwohl es nichts zubremsen gibt. Da brauche ich dann auch kein Sportliches Auto. Freue mich auf nächste Woche in Rho egal wie es mit Alfa Romeo weitergeht sie bleibt immer in meinem Herzen dem Cuore Sportivo Grüsse aus Deutschland Thomas